In memoriam Hans Georg Majer

Am 26. August 2026 ist Hans Georg Majer gestorben, pensionierter Lehrstuhlinhaber der Turkologie und langjähriger Leiter des Instituts für Geschichte und Kultur des Nahen Orients sowie für Turkologie an der Universität München. Er ist 89 Jahre alt geworden.

Hans Georg Majer beschäftigte sich vor allem mit der Geschichte des frühneuzeitlichen Osmanischen Reiches, wobei er sich auf das 17. und 18. Jahrhundert spezialisierte, aber in seinen Aufsätzen Themen vom 15. bis ins 20. Jahrhundert berührte. Besonders wichtig sind seine Arbeiten zu den Rechtsgelehrten des Osmanischen Reichs, zu den habsburgisch-osmanischen Beziehungen und zu den Porträts osmanischer Sultane.

Dieses letzte Thema bearbeitete Hans Georg Majer in einem von ihm m mitgegründeten internationalen, interdisziplinären Forschungsverbund. Kolleginnen und Kollegen zusammenzubringen, Verbindungen zu knüpfen und mit ihnen neue Forschungsrichtungen zu entwickeln, war eine seiner Fähigkeiten. Energisch betrieb er die osmanische Geschichte immer als eine auch Südosteuropas; und deshalb war er auch in der Südosteuropa-Gesellschaft aktiv, deren wissenschaftlichem Beirat er jahrelang vorsaß. Die Aufmerksamkeit für die italienischen Quellen und Verbindungen des Osmanischen Reiches, eine kleine Münchner Tradition, war ihm ebenso wichtig wie die Verbindung in den Iran, dessen Geschichte er kompetent in seinen Lehrveranstaltungen abdeckte. Er koordinierte die erste Edition eines Registers von Beschwerden, die an den großherrlichen Diwan gerichtet worden waren, das 1984 veröffentlicht wurde, also noch bevor das osmanische Staatsarchiv der Forschung zugänglich gemacht wurde.

Hans Georg Majer gelang es, an seinem winzigen Institut die Osmanistik aus einer Sachphilologie, die sich mit der Vergangenheit befasste, in eine historische Wissenschaft zu verwandeln und so den Anschluss an die internationale Wissenschaft zu finden. An der Universität München war er Dekan, als eine Fakultätsreform anstand; dass die Kulturwissenschaften, meist „kleine Fächer“, ihre eigene Fakultät behielten, war besonders sein Erfolg. Später gründete er das Münchner Zentrum für Islamstudien (MZIS, heute 4MZ), an dem disziplin- und institutionenübergreifend die Münchner Nahost-Expertise gebündelt wurde und wird.

Hans Georg Majer war ein sehr genauer Arbeiter, der an jeder Formulierung feilte. Deswegen sind viele seiner Arbeiten, darunter eine große Monographie zu Muṣṭafā II, nie ganz fertig geworden; was immer er aber publiziert hat, ist lesenswert und mit Genuss zu lesen.

Als ich im Wintersemester 1980/81 zu studieren begann, wurde Hans Georg Majer gerade Professor für Turkologie, in dem weiten Sinne der damaligen Zeit. Ich bin dann bis zur Promotion geblieben. Dabei konnte ich von hervorragenden Forschern wie Klaus Kreiser, Michael Ursinus, Johann Strauss und Suraiya Faroqhi profitieren, die damals am Institut arbeiteten. Von Hans Georg selbst habe ich unendlich viel gelernt; über mehr als ein Jahrzehnt war er Maßstab und Mentor, danach über Jahrzehnte ein Freund und ein Vorbild. Er war zurückhaltend, aber aufmerksam, im Dissens und im Einverständnis verlässlich, und mit seinem trockenen, doch herzlichen Humor immer als der gute Mensch erkennbar, der mir fehlt.

Prof. Dr. Christoph K. Neumann