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Dr. Jeremy F. Walton und Dr. Kevin Kenjar: Über die unheimliche Wiederkehr des Imperiums: Das Revenant-Projekt – Personen, Orte, Dinge

Mai 12 @ 7:00 p.m.9:00 p.m.

 

Dienstag, 12. Mai, 19:00 Uhr
Filmvorführung
Orient-Institut Istanbul
Sprache: Englisch

Von den gepflasterten Straßen im Zentrum Wiens bis zu den sanften Hügeln mit Blick auf den Bosporus – die Imperien der Vergangenheit in Südosteuropa führen heute ein lebendiges und zugleich komplexes Nachleben. Vergangene Imperien stehen in vielfältigen Formen zum Konsum bereit – von Sachertorte bis zu Fernsehserien zu Themen aus der osmanischen Geschichte, von habsburgischer Kurzwarenkultur bis zu Janitscharen-Klängen. Doch die Nachwirkungen von Imperien beschränken sich keineswegs nur auf die Konsumkultur. Politiker*innen in der gesamten Region beziehen sich in ihrer nationalen Politik auf die habsburgische und osmanische Zeit – mal nostalgisch, mal paranoid. In den einprägsamen Worten Stefan Zweigs erscheint „die Welt von gestern“ längst nicht mehr so endgültig vergangen, wie es einst schien.

Die Forschungsgruppe „REVENANT—Wiederbelebungen von Imperien: Nostalgie, Amnesie, Heimsuchung“ (European Research Council Grant #101002908), angesiedelt an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Rijeka, erforscht interdisziplinär Hinterlassenschaften und Erinnerungen jener Imperien, die Mittel-, Ost- und Südosteuropa, den Nahen Osten und den Kaukasus geprägt haben. Im Zentrum stehen die Nachwirkungen des Habsburger-, des Osmanischen und des Romanow-Reichs. Der anhaltende, entsetzliche Krieg in der Ukraine – selbst ein Ergebnis imperialer Vermächtnisse und neo-imperialer Ambitionen – hat jedoch die Möglichkeiten zur Feldforschung in ehemals romanowschen und sowjetischen Kontexten eingeschränkt. Um die Arbeit zu strukturieren und zu integrieren, stützt sich REVENANT auf eine Dreiteilung in postimperiale Personen, Orte und Dinge. Sultane, Kaiser und Zaren koordinieren die heutigen Erinnerungen an Imperien. Ebenso tun dies auf unterschiedliche Weise deren frühere Ehefrauen, Geliebte und Gefährtinnen. Rebellen, die sich der Macht der Imperien widersetzten, bieten einen weiteren Deutungsrahmen. Verschiedene Orte und Räume – von ehemaligen imperialen Hauptstädten bis hin zu Hafenstädten und Grenzregionen – formen und verändern diese Erinnerungen. Schließlich verleihen Objekte wie Relikte, Massenprodukte und Denkmäler dem imperialen Nachleben konkrete Gestalt.

Der Film The Revenant Project – Persons, Places, Things stellt das Projekt vor, indem er sich jeweils auf eine postimperiale Person, einen Ort und ein Objekt konzentriert, die sich in drei zentralen Städten der Forschung befinden: Istanbul, Sarajevo und Wien. In Istanbul arbeitet das Team mit dem renommierten Historiker Edhem Eldem zusammen, um das ambivalente Leben und Vermächtnis des Malers, Intellektuellen und Verwaltungsbeamten Osman Hamdi Bey zu beleuchten. In Sarajevo führt der Anthropologe Kevin Kenjar das Team zu einem historisch aufgeladenen Ort – der Straßenecke, an der der habsburgische Thronfolger Franz Ferdinand von Gavrilo Princip ermordet wurde, was den Ersten Weltkrieg auslöste. Kenjar entfaltet eine detaillierte Mikrogeschichte dieses Ortes, um die bis heute wirkenden imperialen Spannungen – sowohl osmanische als auch habsburgische – sichtbar zu machen. In Wien untersucht die Historikerin Tamara Scheer ein außergewöhnliches Objekt: die monumentale Pummerin-Glocke des Stephansdoms. Im Herzen der Stadt gelegen, verkörpert sie eine konfliktreiche inter-imperiale Geschichte, da sie aus Kanonenkugeln gegossen wurde, Hinterlassenschaften der zweiten osmanischen Belagerung Wiens im Jahr 1683.

Im Anschluss an das Filmscreening findet eine Q&A mit Jeremy F. Walton und Kevin Kenjar statt.

Jeremy F. Walton ist Kulturanthropologe und forscht an der Schnittstelle von Erinnerungsforschung, Stadtforschung, vergleichender Imperienforschung und materialitätskritischen Ansätzen. Er leitet die Forschungsgruppe REVENANT an der Universität Rijeka mit Förderung des European Research Council. Er wurde 2009 an der University of Chicago promoviert. Sein erstes Buch (Muslim Civil Society and the Politics of Religious Freedom in Turkey, 2017) untersucht muslimische NGOs und Säkularismus in der Türkei.

Kevin Kenjar ist ein österreichisch-amerikanischer Sprach- und Kulturanthropologe mit Schwerpunkt auf Sprachideologien, Nationalismus, historischer Anthropologie und Erinnerungsforschung. Seit fast zwei Jahrzehnten arbeitet er zur ehemals jugoslawischen Region, besonders Bosnien und Herzegowina. Er promovierte 2020 an der University of California, Berkeley, und arbeitet derzeit an einem Buch über die historische Entwicklung des besagten zentralen Straßenknotens in Sarajevo.

Tomislav Žaja, der Regisseur des Films, absolvierte sein Masterstudium in Dokumentarfilmregie an der FAMU in Prag. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Autor von über fünfzig Dokumentarfilmen zu Themen wie Geschichte, Kultur, Sport, Biographien und Menschenrechten.

Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Die Teilnahme ist kostenlos. Für eine Teilnahme vor Ort ist eine Anmeldung erforderlich, online ist keine Registrierung nötig. Für eine Teilnahme vor Ort registrieren Sie sich bitte über das untenstehende Formular.Während der Veranstaltung werden Fotos/Videos gemacht. Mit der Teilnahme erklären Sie sich mit deren Nutzung einverstanden. Die Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet.

ORT
Orient-Institut Istanbul
Galip Dede Cad. 65, Şahkulu Mah., TR – 34421 Istanbul
Tel.: +90 212 293 60 67
oiist@oiist.org
www.oiist.org

ANMELDUNG
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https://maxweberstiftung.zoom-x.de/j/67293212448?pwd=p3EDfZxP3GGMbweUTybRUegDV88P36.1
ID: 672 9321 2448
Passwort: 923287

Details

  • Datum: Mai 12
  • Zeit:
    7:00 p.m. – 9:00 p.m.
  • Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

  • Lena Alpozan
  • Telefon +90 – 212 293 60 67
  • E-Mail alpozan@oiist.org

Veranstaltungsort