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Martin Greve & Dilek Kızıldağ: Looking for Greater Dersim. Musical Traces of a Lost Past (Band 50, Istanbul Texts and Studies)

März 11 @ 7:00 p.m.9:00 p.m.

Buchpräsentation
Ort: Orient-Institut Istanbul
11.3.2026, 19:00 Uhr

Diskutant: Ulaş Özdemir
Musikalischer Beitrag: Cihan Çelik
Moderation: Cüneyt Ersin Mıhcı
Sprachen: Türkisch und Englisch

Als Abschluss mehrjähriger Forschung beschreibt der Band das musikalische Erbe einer Region im zentralen Ostanatolien, die man als „Groß-Dersim“ bezeichnen kann. Einen offiziellen Namen hat die Region jedoch nie besessen. Zumindest Teile der Provinzen Sivas, Erzincan, Malatya, Elazığ, Tunceli, Bingöl, Erzurum und Muş lassen sich unter dem Oberbegriff fassen. Klare Grenzen eines „Groß-Dersim“ allerdings haben nie bestanden, weder kulturell, noch historisch oder geographisch, und auch die Bevölkerung ist hinsichtlich Ethnizität, Sprache und Religion weder homogen noch historisch stabil. Entsprechend vielfältig waren ihre musikalischen Traditionen; sie reichen von Klagegesängen von Frauen bei Beerdigungen über halbprofessionelle Dichtersänger, Gesänge bei alevitischen Zeremonien oder sunnitische religiöse Lieder bis zu Tanzliedern für Hochzeitsfeiern. Im Laufe des 20. Jahrhunderts erlebte die Region wiederholt extreme Gewalt, Militäroperationen und Repression, die in zahlreichen Klageliedern besungen werden. Migration und Urbanisierung veränderten die ländliche Gesellschaft tiefgreifend, und an die Stelle des Musizierens bei kleinen und privaten Zusammenkünften im Dorf trat mehr und mehr professionell produzierte und medialisierte, oft auch politische Musik, deren Musiker*innen über die ganze Türkei bekannt wurden und die seit den 1960er Jahren nach Europa gelangte. In den 1990er Jahren entstand eine nostalgische Neo-Dersim Bewegung, in der sich Musiker und Intellektuelle bemühten, ihre Kultur im urbanen Umfeld der Gegenwart wiederzubeleben. Das zentrale Thema dieser Publikation ist diese Pluralität von Erinnerung und Musik im Großraum von Dersim.

Die Publikationsreihe „Istanbuler Texte und Studien“ (ITS) erscheint seit 2003 beim Ergon Verlag, Würzburg. In den ITS erscheinen in der Regel Publikationen von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern des Instituts oder von mit dem Institut oder seinen Projekten verbundenen Autoren/Autorinnen oder Herausgebern/Herausgeberinnen. Nach jeweils drei Jahren sind die Bände über den Server der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt als E-Books unentgeltlich erhältlich. Bei Fremdpublikationen wird zur Qualitätssicherung in der Regel mindestens ein auswärtiges Fachgutachten eingeholt.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Musicology Lecture Series von Dr. Cüneyt Ersin Mıhcı statt.

Dr. Dilek Kızıldağ absolvierte ihr Bachelorstudium im Fach Anthropologie an der Fakultät für Sprache sowie Geschichte und Geographie der Universität Ankara. Ihren Masterabschluss erwarb sie im Bereich Sozialanthropologie am Institut für Sozialwissenschaften der Hacettepe-Universität, ihre Promotion am Institut für Türkische Revolutionsgeschichte der Universität Ankara. Im Rahmen einer Postdoc-Stelle war sie als wissenschaftliche Forscherin am Orient-Institut Istanbul tätig und schloss gemeinsam mit Martin Greve das Projekt „Migration, Erinnerung und musikalische Ausdrucksformen“ ab. Sie ist Autorin des Buches Der Koçgiri-Aufstand: Eine sozio-historische Analyse (İletişim, 2017). Darüber hinaus veröffentlichte sie zahlreiche Arbeiten zu Alevitentum, Koçgiri und zur Geschichte Dersims.

Dr. habil. Martin Greve ist ein deutscher Musikethnologe, der in Istanbul und Beirut lebt. Seine Dissertation beschäftigt sich mit der Geschichte der türkischen Kunstmusik im 20. Jahrhundert. Seine Habilitationsschrift ist eine Studie über türkische Musik in Deutschland. Von 2005 bis 2011 war Dr. Greve Koordinator des Studienprogramms für türkische Musik an der Rotterdam World Music Academy. Von 2011 bis 2018 war Martin Greve als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Orient-Institut Istanbul verantwortlich für das Forschungsfeld Musik im Osmanischen Reich und in der Türkei. Seit Dezember 2020 leitet er am Orient-Institut Istanbul, zusammen mit Dr. Dilek Soileau, das von der DFG geförderte Forschungsprojekt „Musik, Migration, und musikalischer Ausdruck. Musikalische Traditionen des zentralen östlichen Anatoliens in der Türkei, Berlin und Paris.

Cihan Çelik ist ein Musiker aus der alevitisch-kurdischen Tradition. Seit seiner Jugend widmet er sich dieser Musik; 1995–1997 erhielt er eine Ausbildung in Bağlama und Solfeggio und hatte 1995 seinen ersten Live-TV-Auftritt bei KMP TV. Er studierte Protohistorie und Vorderasiatische Archäologie an der Universität Istanbul und beschäftigte sich ethnografisch mit der Musik, Kultur und Geschichte von Koçgiri. Er lernte die neunsaitige Bağlama (Ters Düzen) bei Haydar Acar und interpretiert kurdische Klagelieder, Halay-Tänze sowie alevitische Deyiş/Nefes im Koçgiri-Stil, teils begleitet von der Pontus-Kemençe. Çelik gab Solokonzerte in der Türkei, Europa, den USA und Australien. Für sein Engagement zur Bewahrung der kurdischen Sprache, alevitischen Traditionen und der Koçgiri-Kultur erhielt er mehrere Auszeichnungen und ist Mitglied im Koçgiri Kulturverein.

Die Veranstaltungssprache ist Englisch und Türkisch. Die Teilnahme ist kostenlos. Für die Teilnahme vor Ort melden Sie sich bitte über das Formular unten an. Für die Online-Teilnahme ist keine Anmeldung erforderlich.Während der Veranstaltung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich mit der Verwendung dieser Aufnahmen auf der Website, im Newsletter und in den Social-Media-Kanälen des OII einverstanden. Die Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet.

 

VERANSTALTUNGSORT
Orient-Institut Istanbul
Galip Dede Cad. 65, Şahkulu Mah., TR – 34421 Istanbul
Tel: +90 212 293 60 67
oiist@oiist.org |
oiist.org

 

ANMELDUNG
Für die Teilnahme vor Ort registrieren Sie sich bitte hier:

Event Registration – ITS 50 Buchpresentation

 

ONLINE-TEILNAHME
Bitte nutzen Sie folgenden Zoom-Link (keine Anmeldung erforderlich):

https://maxweberstiftung.zoom-x.de/j/62650023811?pwd=X0ueNnbKSQ9pTPuPaawvZrnjF3XaeY.1

ID: 626 5002 3811
Passwort: 953430

Details

  • Datum: März 11
  • Zeit:
    7:00 p.m. – 9:00 p.m.
  • Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

  • Lena Alpozan
  • Telefon +90 – 212 293 60 67
  • E-Mail alpozan@oiist.org

Veranstaltungsort