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Prof. Claudia Glatz: Berge neu gedacht: Von topographischen Stereotypen zu kreativen Gemeinschaften und lebendigen Beziehungen

April 7 @ 6:00 p.m.8:00 p.m.

Keynote Lecture
Ort: Orient-Institut Istanbul
Datum: 7. April 2026, 18:00 Uhr
Sprache: Englisch

Gebirgslandschaften wurden von antiken wie auch modernen Beobachter*innen häufig als marginal und prekär charakterisiert, und ihre Bewohnerinnen als unzivilisiert, kriegerisch und rückständig dargestellt. Solche sozio-politischen „Orogenesen“ lassen sich eindeutig mit staatlicher und territorialer Grenzbildung in Tieflandregionen in Verbindung bringen – von der bronzezeitlichen Mesopotamien über das römische Imperium bis hin zu China – ebenso wie mit antiken und modernen Formen des Umwelt-Determinismus und sozialen Evolutionismus.

Neuere archäologische und historische Forschungen zu Gebirgsregionen weisen diese stereotypen Darstellungen von Gebirgslandschaften und ihren Gesellschaften zurück und bemühen sich um deren empirische Widerlegung. Obwohl dies einen wichtigen Schritt für eine kritische und reflektierte, gebirgszentrierte Forschung darstellt, besteht zugleich die Gefahr, dass gerade dadurch die Bilder, die man eigentlich hinterfragen möchte, weiter gefestigt werden und andere – möglicherweise weitaus interessantere und wichtigere – Geschichten über das Leben in Gebirgsregionen unerzählt bleiben.

In diesem Vortrag zeichnet Claudia Glatz die Entstehung und Weitergabe zentraler Gebirgstopoi von der Antike bis in die Gegenwart nach. Anhand von Beispielen aus Südwestasien und anderen Regionen der Welt untersucht sie, wie die Konstruktion des „anderen“ Gebirges archäologische und historische Forschung prägt, in politische Entscheidungsprozesse hineinwirkt und heutige Lebensweisen in Gebirgsregionen beeinflusst. Abschließend werden alternative Perspektiven auf die Geschichte von Gebirgsregionen vorgestellt und deren Potenzial diskutiert, einen Beitrag zur Bewältigung aktueller sozialer und ökologischer Herausforderungen in Gebirgsregionen zu leisten.

Claudia Glatz ist Professorin für Archäologie an der University of Glasgow. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Organisation menschlicher Gesellschaften und insbesondere mit der Frage, wie politische Formationen wie Staaten und Imperien entstehen, erlebt werden und auf verschiedenen Ebenen – sowohl in Landschaften als auch in materieller Kultur – unterstützt oder herausgefordert werden. Gebirgslandschaften und Gebirgsgesellschaften stellen in diesem Zusammenhang besonders interessante sozioökologische „Laboratorien“ dar. Ein Großteil ihrer Forschung konzentriert sich auf Hochlandregionen und Übergangszonen zwischen Hoch- und Tiefland in Südwestasien. Sie ist Autorin zahlreicher Fachartikel zur bronzezeitlichen Anatolienforschung sowie der Monografie The Making of Empire in Bronze Age Anatolia (Cambridge University Press, 2020). Um die langfristigen Entwicklungen von Hochlandregionen und ihren Gesellschaften zu untersuchen, führte sie archäologische Surveys und Ausgrabungen im pontischen Gebirge in der Türkei im Rahmen des Cide Archaeological Project durch sowie in den westlichen Ausläufern des Zagros-Gebirges in der autonomen Region Kurdistan im Nordosten des Irak, wo sie das Sirwan Regional Project leitet. Zu den daraus entstandenen Publikationen zählen unter anderem Kinetic Landscapes: The Cide Archaeological Project 2009–2011 – Surveying the Western Turkish Black Sea Region (2015, De Gruyter) sowie Place, Encounter, and the Making of Communities: The Lower Sirwan/Upper Diyala River Valley from Prehistory to the Iron Age (2024, Sidestone). Derzeit arbeitet sie an einer Monografie zur langfristigen Geschichte von Gebirgsgesellschaften mit dem Arbeitstitel Wild Mountains – A Human History.

Der Keynote-Vortrag findet zur Eröffnung der Konferenz des Forschungsprogramms „SPP 2176: Iranian Highlands – Resilience and Integration in Premodern Societies“ statt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und in Kooperation mit dem Orient-Institut Istanbul durchgeführt wird.

Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Die Teilnahme ist kostenlos. Für die Teilnahme vor Ort und online ist eine Registrierung über das Formular unten erforderlich.  Während der Veranstaltung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich mit der Verwendung dieser Aufnahmen auf der Website, im Newsletter und in den Social-Media-Kanälen des OII einverstanden. Die Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet.

 

VERANSTALTUNGSORT
Orient-Institut Istanbul
Galip Dede Cad. 65, Şahkulu Mah.
TR – 34421 Istanbul
Tel: +90 212 293 60 67
oiist@oiist.org
www.oiist.org

 

REGISTRIERUNG
Zur Teilnahme registrieren Sie sich bitte bis 5. April hier:

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Details

Veranstalter

  • Lena Alpozan
  • Telefon +90 – 212 293 60 67
  • E-Mail alpozan@oiist.org

Veranstaltungsort