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Stephan Conermann, Veruschka Wagner und Fırat Yaşa: Rethinking Ottoman and Crimean Slavery: Property, Legal Status, and the Paradoxes of Unfreedom

Mai 13 @ 7:00 p.m.9:00 p.m.

13.05.2026, 19:00 Uhr
Orient-Institut Istanbul
Podium
Sprache: Englisch
Moderation: Christiane Czygan

Nach einer kurzen Einführung durch Stephan Conermann werden Veruschka Wagner und Fırat Yaşa neue Perspektiven auf die osmanische und krimtatarische Sklaverei vorstellen und dabei Fragen von Eigentum, rechtlichem Status sowie die inhärenten Paradoxien von Unfreiheit diskutieren.

Auf der Grundlage von Gerichtsakten aus dem 16. und 17. Jahrhundert untersucht diese Podiumsveranstaltung die vielfältigen Dimensionen der Sklaverei im osmanischen und krimtatarischen Kontext mit einem besonderen Fokus auf die sich wandelnden und überlappenden Gefüge von Abhängigkeit, Eigentum und rechtlichem Status. Anstatt Sklaverei als eine einheitliche oder statische Institution zu behandeln, hebt die Analyse ihren situativen und vielschichtigen Charakter hervor, in dem sich unterschiedliche rechtliche, soziale und wirtschaftliche Ebenen parallel entwickeln konnten, jedoch nicht notwendigerweise miteinander übereinstimmten. Quellenarbeit zeigt, dass Abhängigkeitsverhältnisse häufig über eine formale Freilassung hinaus fortbestanden und sich über Generationen erstrecken konnten, wodurch eine strikt kategoriale Unterscheidung zwischen Freiheit und Unfreiheit unmöglich wird. Während Rechtsakte wie religiöse Konversion, Namensänderungen und Heirat häufig Versuche signalisierten, die Verbindungen zu einer Vergangenheit in der Sklaverei zu kappen und sich in neue soziale Identitäten zu integrieren, führten diese Veränderungen nicht automatisch zur Auflösung zugrunde liegender juridischer oder wirtschaftlicher Verflechtungen. Die osmanische Rechtspraxis, wie sie sich in Gerichtsakten widerspiegelt, ermöglichte und regulierte solche Kontinuitäten zugleich und erzeugte so ein paradoxes Nebeneinander von Emanzipation und fortbestehender Verpflichtung. Indem diese Spannungen in den Vordergrund gestellt werden, lautet das Argument, dass „(Un-)Freiheit“ im osmanischen Kontext nicht als eindeutig bestimmbarer rechtlicher Status verstanden werden kann, sondern als ein ausgehandelter und häufig fluider Zustand, der durch sich überlagernde Ordnungen von Autorität, Eigentum und sozialer Zugehörigkeit geprägt ist.

Veruschka Wagner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Islamwissenschaft und Vorderasiatische Sprachen der Universität Bonn sowie assoziierte Forscherin am Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS), wo sie zwei Arbeitsgruppen leitet. Sie promovierte in Islamwissenschaft an der Universität Bonn, wo sie auch Kommunikationswissenschaft und Phonetik, Übersetzungswissenschaft sowie Deutsch als Fremdsprache studierte. Ihre Dissertation befasste sich mit osmanischen Reiseberichten über Europa. Ihre aktuelle Forschung ist Teil des von der DFG geförderten Schwerpunktprogramms Transottomanica und untersucht die Handlungsspielräume und Mobilität versklavter Personen aus dem Schwarzmeerraum im Istanbul des 16. und 17. Jahrhunderts. Darüber hinaus leitet sie ein von der Volkswagen Stiftung gefördertes Projekt zu Karikatur und Satire in spät- und postosmanischen Kontexten. Seit April 2026 ist sie Non-Resident Fellow am Hutchins Center for African & African-American Research der Harvard University, wo sie zur Geschichte von Gesundheit, Krankheit und Sklaverei im frühneuzeitlichen Osmanischen Reich forscht.

Fırat Yaşa forscht und lehrt am Historischen Institut der Çanakkale Onsekiz Mart Üniversitesi, Türkei. Seine Forschung konzentriert sich auf asymmetrische soziale Abhängigkeiten, Recht und Praxis der Sklaverei und Freilassung sowohl im Krimkhanat (1500–1700) als auch im frühneuzeitlichen Osmanischen Reich. Yaşa war Fellow am Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS), wo er zu „An Attempt at Revision: Writing about Crimean Slavery in its Own Terms and in a Comparative Perspective“ arbeitete. Derzeit ist er Projektleiter von „A Comparative Analysis of the Transition from Slavery to Paid Labor in the Crimea and Üsküdar (1650–1750)“, das vom Scientific and Technological Research Council of Turkey (TÜBİTAK) gefördert wird.

Stephan Conermann ist Sprecher des Bonn Center of Dependency and Slavery Studies und Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Sklaverei, Historiografie, narrative Strategien in historiografischen Texten, Übergangsphasen, Mobilität und Immobilität, Globalgeschichte sowie Herrschaft und Macht. Regional liegt sein Fokus auf den Mamluken- und Delhi-Sultanaten sowie dem Mogul- und Osmanischen Reich und dem weiteren Raum der „Transottomanica“. Er hat zahlreiche Sammelbände zu Sklaverei und Abhängigkeitsverhältnissen mit herausgegeben, darunter Slaves and Slave Agency in the Ottoman Empire (2020), The Mamluk-Ottoman Transition II (2022), Current Trends in Slavery Studies in Brazil (2023) und Cultural Heritage and Slavery: Perspectives from Europe (2023). Seine jüngste Veröffentlichung ist The Strong Asymmetrical Dependency Studies Reader (2024).

 

Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Die Teilnahme ist kostenfrei. Für die Teilnahme vor Ort ist eine Anmeldung über den untenstehenden Link erforderlich. Für die Online-Teilnahme ist keine Anmeldung notwendig. Während der Veranstaltung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese auf der Website, im Newsletter und in den sozialen Medien des OII verwendet werden. Die Veranstaltung wird nicht aufgezeichnet.

 

VERANSTALTUNGSORT
Orient-Institut Istanbul
Galip Dede Cad. 65, Şahkulu Mah.
TR – 34421 Istanbul
Tel: +90 212 293 60 67
E-Mail: oiist@oiist.org
Web: www.oiist.org

 

ANMELDUNG
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ID: 635 5424 6407
Passwort: 580902

Details

  • Datum: Mai 13
  • Zeit:
    7:00 p.m. – 9:00 p.m.