Forschungsinteressen
Historische Musikwissenschaften
Historische Ethnomusikologie
Manuskriptstudien zur osmanischen Musik
Musik der frühen Türkischen Republik
Osmanische Musik
Musik Griechenlands
Musik und Nationalismus
Global Musicology
Musik und kollektives Gedächtnis
Musik und nationale Identität
Laufende Forschungsprojekte
2024–2027: Betreuung des Projektes Corpus Musicae Ottomanicae
Projektleitung: Prof. Dr. Ralf Martin Jäger (WWU Münster)
2024–2027: Die Architektur des Hâne: Die verborgene Metrik der osmanischen Vokalmusik
Projektleitung: Cüneyt Ersin Mıhcı
Projektdauer: Februar 2024 – Februar 2027
Rhythmen, Metren und Proportionen haben sich als zentrale Forschungsthemen herausgestellt, denen ich mich in den vergangenen sechs Jahren gewidmet habe. Angesichts der theoretischen und oft höchst technischen Natur dieses Gegenstands gibt es wenig Forschung, die theoretische Fragen zu Rhythmus und Temporalität in Theorie und Praxis näher untersucht.
Mein aktuelles Projekt, „The Architecture of the hâne: The Invisible Metrics of Ottoman Vocal Music“, befasst sich direkt mit dem grundlegendsten rhythmischen Element der osmanischen Musik — dem usûl — und seinem komplexen Verhältnis zum prosodischen Metrum arûz. Die Vorstellung, dass Prosodie und musikalischer Rhythmus miteinander verwoben sind, ist nicht neu; man findet diese Idee bereits in altgriechischen Musiktraktaten, welche durch arabische und persische Intellektuelle weiterentwickelt wurde und schließlich auch in der osmanischen Kunstmusik Eingang fand. Obwohl historische Quellen häufig zum Ausdruck bringen, dass eine Vokalkomposition idealerweise eine ausgewogene „Harmonie“ zwischen Wort (oder Silben) und Melodie haben soll, wird das genaue Verhältnis der beiden Metren fast nie explizit beschrieben.
In meiner Forschung analysiere ich und versuche zu bestimmen, wie sich dieses Zusammenspiel der beiden Metren spezifisch in der osmanischen Kunstmusik manifestiert. Zu diesem Zweck verwende ich die Metapher der hâne („Haus“), die im musikalischen Kontext einen in sich geschlossenen musikalischen Abschnitt bezeichnet. Meine zentrale These lautet: So wie ein Haus als architektonisches Gebilde feste Maße und Proportionen einhalten muss, um den Gesetzen der Statik zu genügen und stabil stehen zu können, so muss auch die musikalische hâne metrischen und proportionalen Beziehungen folgen. Durch das Zusammenspiel des festen rhythmischen Schlagmusters des usûl (des musikalischen Metrums) und seines Verhältnisses zum prosodischen Metrum des arûz wird das musikalische „Haus“ vermessen, seine Dimensionen werden definiert und seine Proportionen festgelegt. Vortragende mussten beide Metren und ihre Proportionen zueinander verinnerlichen, um Melodien aus dem Gedächtnis abrufen und Stücke mit ausgewogener Silbenverteilung vortragen zu können, ohne die „Harmonie“ der beiden rhythmischen Systeme zu stören.
Dieses Projekt verfolgt drei Ziele: erstens, die wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf dieses wenig erforschte Thema zu lenken; zweitens, meinen methodischen Ansatz vorzustellen; und drittens, konkrete Beispiele dafür zu liefern, wie musikalisches und prosodisches Metrum interagieren, und dadurch die Hörgewohnheiten und die Ästhetik der osmanischen Musiker des 17. Jahrhunderts zu verstehen. Dieses Projekt soll nicht nur zu einem besseren Verständnis der Elemente der osmanischen Musik und des überlieferten osmanischen Vokalmusikrepertoires beitragen, sondern auch vergleichende Forschung zu Rhythmus und Metrik in anderen Kulturen und historischen Epochen ermöglichen.
Vorträge
15.03.2024: „The Art Song and National Identity in Ottoman and Early Republican Turkey“. Conference: 20th Century Global Art Song: Hybridity, Multiplicity, Interculturality (Hochschule für Musik Freiburg).
29.04.2024: „Sözlü Eserler ve Eliştirel Basım”. Panel Nota Kaynaklarının Kataloglanması ve Eleştirel Basımı Alanında Uluslararası Corpus Musicae Ottomanicae (CMO) Projesi. İTÜ OTMAG’ın 10. Yılında Akademi Günleri No. 5. Istanbul Technical University.
25.06.2024: „Forging National Music on Both Sides of the Aegean“. Musikwissenschaftliches Kolloquium an der Universität Freiburg.
29.04.2023: „The Relationship Between Arûz and Usûl in Ottoman Music“. Türk Müziği Akademik Çevresi (TUMAC).
29.03.2023: „Forging National Music on Both Sides of the Aegean between 1870–1920“. Musicology Lecture Series. Orient-Institut Istanbul, Istanbul.
06.01.2023: „National Identity in a Multi-Ethnic State: Music Debate and Early Twentieth-Century School Songs in the Ottoman Empire“. Fachschaftstagung des Faches Geschichte mit dem Thema “Musik. Macht. Gemeinschaft”, Dresden.
13.09.2022: „National Identity and Nationalism in Late Ottoman School Song Anthologies“. Deutscher Orientalistentag, Berlin.
16.04.2019: „‘Besser eine Stunde freies Leben als vierzig Jahre Sklaverei und Gefangenschaft‘: Nationallied und Identitätskonstruktion in Griechenland im 19. Jahrhundert“. Forum Musikforschung Münster, Münster.
27.02.2018: „Historical Musicology and Nineteenth-Century Ottoman Music Manuscript Sources in the Digital Age”. Orient-Institut Istanbul, Istanbul.
23.03.2017: „Western European Music Aesthetics Versus Greek Music Practices: Modernism and Traditionalism in Greece and the Greek-speaking World during the 19th Century”. Kongress der International Musicological Society, Tokyo.
03.12.2014: „The Izmir March as a Musical Monument in Turkey’s Collective Memory”. Vortragsreihe „Musik und Musiker im Osmanischen Reich und der Türkischen Republik“. Orient-Institut Istanbul, Istanbul.
23.03.2014: „The Gallipoli Campaign in Turkish Popular Culture“. Konferenz „Memory, Memorials, and Media: Re-Imagining World History”. North-East University, Boston.
Publikationen
Monographie:
Forging National Music on Both Sides of the Aegean in the Nineteenth and Twentieth Centuries. Heidelberg: heiBOOKS, 2025. https://doi.org/10.11588/HEIBOOKS.1255.
Wissenschaftliche Editionen:
Codex TR-Iüne 204-2: Music Edition, Critical Reports, Text Edition. 3 vols. Manuscript Sources from İstanbul Üniversitesi Nadir Eserler Kütüphanesi 2. Münster, 2021.
Codex TR-Iüne 208-6: Transcriptions, Critical Reports, and Supplement. (forthcoming publication)
Artikel:
(mit Sven Gronemeyer:) „Wissenschaftliche <Sichtbarkeit> und <Unsichtbarkeit> außereuropäischer Musikeditionen am Beispiel osmanischer Kunstmusik.“ Musiktheorie. (Laaber) 2, no. 41 (2026).
„Saygun, Ahmet Adnan”. In MGG Online, herausgegeben von Laurenz Lütteken. New York, Kassel, Stuttgart, July 2024. https://www.mgg-online.com/article?id=mgg11420&v=2.0&rs=id-c09667e0-eb9a-4cbe-80aa-e7d97b36e1b2&q=saygun.———.
„The Gallipoli Song: Folk Song and Turkish Memorial Culture.” In Beyond the East-West Divide: Balkan Music and Its Poles of Attraction, hrsg. von Ivana Medić and Katarina Tomašević, 234–43. Belgrad: Institute of Musicology, Department of Fine Arts and Music, Serbian Academy of Sciences and Arts, 2015
„Challenges and New Insights in the Critical Edition of the Persianate Repertoire in Ottoman Music“. MSFAU Journal of Social Sciences, Current Archival Studies in Musicology, 27, Spring (2023): 14–29.
„Music and National Ideology in Greek School Song Anthologies of the Late 19th Century.” In Musical Topographies of the Mediterranean, edited by Thomas Betzwieser, Sabine Ehrmann-Herfort, and Judith I. Haug. Analecta Musicologica. Kassel. (forthcoming publication)
„La réception des idées de Bourgault-Ducoudray dans l’espace turc-ottoman : le cas de Yekta, Algazi et Guatelli“. In Penser l’histoire au service de la création : autour de Louis-Albert Bourgault-Ducoudray, hrsg. von Peter Asimov. Éditions du Conservatoire de Paris. Paris. (forthcoming publication)
Enzyklopädie-Artikel:
“Saygun, Ahmet Adnan” in der MGG-Online (forthcoming publication).